Die Umwelt der Kinder

Der Einfluss der Umwelt auf die Entwicklung von Kindergartenkindern

oder: Die Zusammenfassung von 300 Seiten Doktorarbeit :-)

Kindergartenpädagogik lässt sich durch verschiedene Merkmale charakterisieren: Zunächst ist das Spiel von herausragender Bedeutung. Durch das Spielen gewinnen Kinder körperliche Geschicklichkeit, entwickeln ihre organischen Fähigkeiten, Fantasie und schöpferische Kräfte. Weitere Punkte betreffen die Wichtigkeit von Vorbildern und das Existieren eines geregelten Tagesablaufs. Bedeutend sind zudem Nachahmung und Wiederholung als elementare Formen des Lernens in der frühen Kindheit.

Eine besonders wichtige Aufgabe von Fachkräften ist es, Kinder nicht nur zu unterhalten und zu verwahren, sondern die versteckten Kräfte und Potentiale im Kind zu entdecken und ganzheitlich zu fördern. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden braucht die Kita Unterstützung durch Eltern, Träger und nicht zuletzt durch Kommunen, weil alle zusammen einen bedeutenden Teil zur Umwelt für Kinder beitragen. 

Die theoretischen Grundlagen der Arbeit

Schon Fröbel und Montessori stellen klar heraus, wie bedeutend eine ökologische Perspektive für den Erfolg in der Kindergartenpädagogik ist. Dabei stellt der Kindergarten selbst nur einen Teil der vielen Lebensumwelten des Kindes dar. Die einzelnen Bereiche – Kindergarten, Spielplätze, Familienleben, vorhandene Spielsachen etc. – stehen zueinander in Wechselwirkung und bilden ein komplexes Ganzes.

Zum Thema Einfluss der Umwelt existieren einige bedeutende entwicklungstheoretische Ansätze. So legte Piaget besonders viel Wert auf den Bereich der Kognition und prägte damit den sog. kognitivistischen Ansatz – aus dieser Perspektive ist das Kind Subjekt seiner Entwicklung in dem Sinne, dass es aktiv mit der Umwelt interagiert und so seine Entwicklung selbst vorantreibt – unabhängig von äußeren Belehrungen. 

Vertreter des konstruktivistischen Ansatzes stammen aus den Bereichen der Entwicklungspsychologie und der Didaktik. Konstruktivismus meint dabei, dass das Kind sich Wissen und seine eigene Wirklichkeit aktiv konstruiert, indem es sich mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Lew Wygotski der bekannteste Verfechter einer konstruktivistischen Sichtweise, sieht das Kind in ständiger Interaktion mit seiner sozialen Umwelt, wobei er die Theorie der „Zone der nächsten Entwicklung“ aufstellt; eine Sichtweise, aus der das Kind durch Herausforderungen lernen kann, die ihm durch seine Umwelt – besonders durch die vorhandenen Bezugspersonen – gestellt werden können. Wygotski geht davon aus, dass die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes durch soziale Phänomene entstehen, also durch das Zusammenspiel mit anderen bedeutungsvollen Individuen. Das bedeutet für die Praxis: Lernen sollte eigenständig, aktiv und handlungsorientiert erfolgen, denn Lernen erfolgt als Schaffung individueller Wirklichkeit in Auseinandersetzung mit der Umwelt – dafür ist z. B. Projektarbeit besonders förderlich.

Die genannten Betrachtungsweisen vollziehen eine Kehrtwende, weg von der früheren Individuumszentrierung, hin zu einer umweltbezogenen ökologischen Perspektive. Damit verbunden ist die Konsequenz, dass eine ernst gemeinte Kindergartenpädagogik mit dem Anspruch kindlicher Förderung sich dessen bewusst werden muss, dass sie nicht im luftleeren Raum agiert, sondern dem Wechselspiel der kindlichen Lebenswelten Rechnung zu tragen hat. Dazu müssen zwingend alle am Leben des Kindes beteiligten Erwachsenen mit einbezogen und von den Fachkräften berücksichtigt werden. Das einzelne Kind lernt und entwickelt Kompetenzen besonders in der Interaktion mit seiner (sozialen) Umwelt, ein Umstand, der Fachkräfte mehr und mehr zum Gestalter dieser Umwelten im Sinne des Kindes macht.

In der Neurobiologie geht man davon aus, dass das Gehirn durch gemachte Erfahrungen und äußere Einflüsse geprägt wird – diese Erfahrungen und Einflüsse prägen das neuronale Netzwerk des Menschen in jeweils individueller Art und Weise. Damit erkennt die Neurobiologie in der Umwelt einen wesentlichen Faktor für das Lernen und die Entwicklung an. Generell scheint es so zu sein, dass sich genetische Einflüsse und Umwelteinflüsse einander bedingen. d.h. das Kind wählt diejenigen Umweltangebote aus, die mit den eigenen Genen korrespondieren.

Hinsichtlich der Bedeutung spezieller Entwicklungsumwelten geht die Entwicklungspsychologie davon aus, dass unterschiedliche Umwelten auch entsprechend spezifische Einflüsse ausüben können, z. B. die Familie, die Peergruppe, Gegebenheiten des Wohnortes, der sozioökonomische Status des Elternhauses, der Kindergarten etc., wobei der Familie als erste und lange Zeit wichtigste Umwelt die höchste Aufmerksamkeit der Forschung zu Teil wird.

Ein recht junger Forschungsansatz ist der, der Soziotope – ein Ansatz, der zunächst im Bereich der Begabungsforschung angesiedelt war, die Bedeutung von Umweltbedingungen für die Entwicklung und das Lernen im Allgemeinen aber ebenfalls betont.  Es geht dabei um die Frage, wie soziale Ungleichheiten entstehen und durch welche unterschiedlichen Bedingungen diese manifestiert werden. Dabei unterscheidet man mehrere Kapitalarten, wie das ökonomische Kapital (materieller Besitz), das kulturelle Kapital (verinnerlichte Dispositionen, kulturelle Güter, Bildungsabschlüsse, etc.) und das soziales Kapital (Beziehungen, gesellschaftliche Verflechtungen, soziale Ressourcen). Besonders die verschiedenen Formen des Bildungskapitals, darunter wiederum ökonomisches, kulturelles, soziales, infrastrukturelles und didaktisches Bildungskapital, d.h. Know-how zur Optimierung von Lernprozessen ist im Lernsoziotop nach Ziegler von besonderer Bedeutung. Beispiel: Erbringt ein Kind hervorragende Leistungen, wird aber als Reaktion darauf von anderen Kindern und/oder Erwachsenen als „Streber“ betitelt kann dies negative Auswirkungen auf die Motivation und dadurch auf den Lernerfolg haben.

Die Untersuchung

In meiner Doktorarbeit habe ich den Einfluss unterschiedlicher Variablen des sozialen Umfeldes auf die allgemeine und kognitive Entwicklung von Kindern exemplarisch untersucht. Berücksichtigt wurden dabei der soziodemographische Hintergrund, der Kindergartenbesuch, die elterliche Zielorientierung und das vorhandene Spielzeug. Die allgemeine Entwicklung wurde anhand des BBK 3-6 (Beobachtungsbogen für 3- bis 6-jährige Kinder), die kognitive Entwicklung mittels des HAWIVA-III® (Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter-III) erfasst. Es wurden die Daten von insgesamt 203 Kindern erhoben, die Kinder der Stichprobe waren zur Zeit der Erhebung zwischen 3 und 6 Jahre alt. Bei der Studie handelt es sich um eine Kombination eines Querschnitts- und Längsschnittdesigns, das bedeutet, die relevanten Informationen wurden zu einem bzw. zu zwei Messzeitpunkten erhoben. Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse der Untersuchung einen positiven Einfluss des Kindergartenbesuchs auf die allgemeine Entwicklung, ein vergleichbarer Effekt auf die kognitive Entwicklung konnte, wider aller Erwartungen, nicht nachgewiesen werden. Das pädagogische Konzept des Kindergartens spielt eine untergeordnete Rolle, was allerdings an der großen Unterschiedlichkeit der einzelnen Konzepte liegen könnte. Insgesamt können die Ergebnisse der Studie als Beleg gegen die These des Maternalismus angeführt werden, der davon ausgeht, dass ein Kind optimalerweise von der Mutter betreut werden sollte – dies gilt offensichtlich nicht für Kinder im Alter von 3-6 Jahren. 

In Schulleistungsstudien wie bspw. PISA hat sich gezeigt, dass der Schulerfolg oftmals stark vom soziodemographischen Hintergrund eines Kindes abhängig ist. So haben Kinder mit einem direkten oder indirekten Migrationshintergrund, von Elternteilen mit geringen Bildungsabschlüssen oder ungünstigen Berufssituationen deutlich schlechtere Chancen im Bildungssystem. 

Einige Ergebnisse

Im Rahmen der Studie hat sich gezeigt, dass soziodemographische Variablen die kognitive und allgemeine Entwicklung nur zum Teil beeinflussen. Die Zusammenhänge sind deutlich weniger ausgeprägt als angenommen: So zeigen bspw. der Berufsstand der Eltern, der Erziehungsstatus (alleinerziehend oder gemeinsam erziehend) und der Migrationshintergrund keinen Einfluss auf die kognitive Entwicklung und kaum Einfluss auf die allgemeine Entwicklung. Eine Ausnahme ist der Schulabschluss Mutter – er wirkt sich auf nahezu alle Bereiche extrem positiv aus, man kann sagen, je höher der Schulabschluss der Mutter ist, desto besser entwickeln sich Kinder, sowohl im kognitiven Bereich, als auch in der allgemeinen Entwicklung.

Diese Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass ungleiche Bildungschancen z. B. nicht auf Unterschiede in den kindlichen Fähigkeiten zurückzuführen sind, sondern es sich hierbei eher um Effekte der Bildungsinstitutionen und der anderer Umwelten handelt, die erst in der weiteren Bildungslaufbahn, also z. B. ab dem Eintritt in die Kita, zum Tragen kommen. Zudem sind anhand der Ergebnisse auch Effekte institutioneller Diskriminierung denkbar, die bei gleichen Fähigkeiten zu geringeren Bildungschancen führen.

In Hinblick auf die Skalen elterlicher Zielorientierung lässt sich feststellen, dass insbesondere die Skalen Lernzielorientierung (=> Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder etwas lernen) und Performanzorientierung (=> Eltern sind ehrgeizig in Bezug auf die Leistungen ihrer Kinder) für die kognitive Entwicklung von Kindern ausschlaggebend zu sein scheinen. Das bedeutet für die Praxis: Eltern die viel von ihren Kindern verlangen und ihnen auch viel zutrauen sind förderlich für Kinder, denn die Haltung des Vertrauens und des Zutrauens  wirkt sich förderlich auf die kindliche Entwicklung aus. Dementsprechend können Haushalte, in denen dies zutrifft, als „gute Lernsoziotope“ bezeichnet werden, im Rahmen derer die kindlichen Fähigkeiten optimal gefördert werden. 

In Bezug auf die allgemeine kindliche Entwicklung haben sich insbesondere die Spielorientierung (=> Kind soll nur spielen und nicht individuell gefördert werden) und die Skala Angst vor Überforderung (=> Eltern wollen nicht, dass ihr Kind gefordert wird) als einflussreich erwiesen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sowohl eine ausschließliche Spielorientierung als auch die Angst vor Überforderung Umwelteinflüsse darstellen, die hinderlich für die kindliche Entwicklung sind. 

Fazit

In der Pädagogik wird der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung von Kindern diskutiert. Entwicklungsrelevant scheint zu sein, wie die Kombination verschiedener Einflüsse auf das Kind einwirken. Der Kindergarten ist als eine spielorientierte Bildungsinstitution relevant für die positive allgemeine Entwicklung von Kindern, allerdings nur dann, wenn Fachkräfte zusammen mit Eltern den Kindern positive Lernsoziotope bieten. 

 

Vertrauensaufbau braucht Zeit

Eingewöhnung und sichere Erzieherin-Kind-Bindung

Früher wurden Kinder einfach im Kindergarten abgegeben und Eltern haben sich - ohne Verabschiedung - zur Tür hinausgeschlichen. Die Kindergärtnerinnen von damals haben das bittere Weinen der Kinder ausgehalten und nicht selten sogar bestraft und vielleicht wussten sie es nicht besser, weil die Bindungsforschung „damals“ noch in den Kinderschuhen steckte. 

Heutzutage sollten eigentlich alle wissen, was mit Kindern passiert, wenn man sie ins kalte Wasser der Beziehungslosigkeit wirft und deshalb zählen heute elternbegleitete Eingewöhnungen zu Qualitätsstandards in Kitas.

Das bedeutet: Das Kind kann die Kita, seine Bezugserzieherin, die anderen Kinder und alles, was sonst noch neu ist, langsam kennenlernen, während die Hauptbindungsperson, als sicherer Heimathafen, jederzeit zur Verfügung steht. So geht das Kind langsam, Schritt für Schritt eine neue Bindung zu einem anderen Menschen – der Bezugserzieherin – ein. Wenn dieser Vertrauensaufbau gelungen ist, steht dem Abschiednehmen, auch wenn es schmerzhaft ist, nichts im Weg, denn für Trost ist gesorgt. 

Bis dieser Trost aktiv vom Kind gesucht wird und dadurch angenommen werden kann, dauert es meist ca. 4-6 Wochen in denen die Kinder Stück für Stück Vertrauen aufbauen, erst dann ist eine sichere Bindung aufgebaut und erst dann ist eine Eingewöhnung beendet. Sichere Bindungen entstehen am besten in kleinen stabilen Kindergruppen, in denen empathisches und feinfühliges Erzieherverhalten den Tag bestimmt.

Fünf Eigenschaften kennzeichen eine sichere Erzieher*innen-Kind-Bindung:

  • Zuwendung - liebevolle und emotional warme Kommunikation als Grundlage für ALLES
  • Sicherheit - die Erzieher*in ist für das Kind jederzeit und zuverlässig verfügbar
  • Stressreduktion - Trost und Unterstützung um Emotionen zu regulieren und Ängste zu überwinden
  • Explorationsunterstützung - das Kind wird zu eigenständigem Erkunden ermutigt
  • Assistenz - Hilfe und Unterstützung bei Schwierigkeiten, die das Kind (noch) überfordern

Ach ja, was mir noch sehr wichtig ist, weil es allzu oft vergessen wird: Erzieher*in-Kind-Bindungen sind weder durch die Qualität der Mutter-Kind-Bindung festgelegt, noch können sie die Beziehung zur Hauptbindungsperson (meist ist es eben die Mutter) ersetzen.

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Burnout Prävention

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Das Auftreten von Burnout ist abhängig von verschiedenen Lebensbedingungen, die alle Einfluss darauf haben, ob man sich emotional überlastet fühlt oder ob man erfolgreich Möglichkeiten entwickelt hat, um Stress (in allen Varianten) bewältigen zu können.

„Zeit zum Ausspannen" kann sich besonders für Erzieher*innen günstig auswirken. Um dem Ausbrennen entgegen zu wirken, sollte es beispielsweise während der Arbeitszeit Gelegenheiten geben, sich dem direkten Kontakt mit den Kindern zu entziehen. Schon kurze Zeiten des Abschaltens im Sinne eines positiven Rückzuges lassen Menschen emotional aufatmen.

Eine positive Arbeitsplatzgestaltung hat großen Einfluss auf das Wohlbefinden. Dies kann z. B. durch eine lärmvermindernde gut durchdachte Innenarchitektur, indirekte Beleuchtung, angenehme Farben, Zimmerpflanzen usw. erreicht werden. Auch die Beseitigung bürokratischer Hürden, wie komplizierte Wochenarbeitspläne oder umständliche Organisationsaufgaben können Überdruss bekämpfen.

Jede einzelne Erzieher*in muss sich der Burnoutgefahr bewusst sein. Dazu gehören Klarheit und Bewusstsein über den eigenen Tages- und Arbeitsablauf und über eigene Bewältigungsstrategien mit Stress umzugehen. Auch die Klärung eigener Ziele und Schwierigkeiten im Beruf gehören dazu. Für Menschen mit einer emotional stark beanspruchenden Tätigkeit ist Ausgleich sehr wichtig und befriedigende Freizeitbeschäftigungen können dabei hilfreich sein. Die Zeit des Abschaltens nach der Arbeit, eine Phase der Ruhe und Erholung hilft, sich aus den beruflichen Anstrengungen zu lösen. Kurze Zeiträume zum Erholen geben neue Kraft, um sich nach der Arbeit der Familie oder Freunden zuwenden zu können.

Gerade Frauen sehen sich oft selbst als Ursache des Ausbrennens. Sie denken, dass es an ihnen persönlich liegt, wenn sie frustriert und erschöpft ihren Alltag „irgendwie“ bewältigen. Negative Erlebnisse und Misserfolge schreiben sie ihren eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen zu. 

Da Ausbrennen aber das Resultat einer sozialen und psychischen Wechselwirkung zwischen einer Person und ihrer Umwelt ist, erscheint es sinnvoll, sich die Situationen näher anzusehen, in denen Schwierigkeiten auftauchen. Oft hilft eine Änderung der Perspektive: Niemand ist schuld, man kann selbst aktiv werden, sich selbst helfen und sich helfen lassen! Die bohrende Frage heißt dann nämlich nicht mehr: Was stimmt nicht mehr mit mir, sondern - Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verändern? 

Leere und Niedergeschlagenheit sind mit guter Stimmung unvereinbar. Eine bewährte Selbsthilfestrategie zielt daher darauf ab, sich mit Hilfe unterschiedlicher Maßnahmen in eine bessere Stimmung zu versetzen und sich dabei selbst Kraft zu schenken – seine eigene Quelle der Freude zu sein. Dies gelingt meist nicht „auf Kommando“ und bedarf einiger Übung, aber es ist möglich und es ist lohnenswert!

Hier ein paar Ideen ...

Hören Sie Gute-Laune-Musik

Hören Sie Musik, die Sie beschwingt oder gar zum Tanzen motiviert. Singen und/oder tanzen Sie! Stellen Sie sich selbst eine CD mit Ihrer „Gute-Laune-Musik“ zusammen. Hören Sie diese schon am Morgen, um den neuen Tag fröhlich zu beginnen.

Bewegen Sie sich in der Natur

Nach körperlicher Aktivität fühlen sich die meisten Menschen gut. Bewegen Sie sich daher mindestens zweimal pro Woche mindestens 30 Minuten lang – am besten in der Natur. Machen Sie einen Waldspaziergang und lassen Sie sich von der Heilkraft der Natur überraschen.

Führen Sie ein Glücks-Tagebuch

Seien Sie dankbar für die beglückenden Momente in Ihrem Leben. Notieren Sie jeden Abend in einem Buch, welche Ereignisse „heute“ schön waren, welche Menschen Ihnen freundlich begegnet sind und was Ihnen an diesem Tag besonders gut gelungen ist. Konzentrieren Sie sich dabei ausschließlich auf das Positive. Schärfen Sie Ihren Blick für die vielen Kleinigkeiten, die tagtäglich Anlass zur Freude bieten. Vergegenwärtigen Sie sich immer wieder, wie gut es Ihnen geht und welche schwierigen Situationen Sie in Ihrem Leben bereits gemeistert haben. Seien Sie dankbar für „Selbstverständlichkeiten!

Lächeln und Lachen Sie

Lachen ist bekanntlich gesund und baut Stress ab. Lesen Sie deshalb humorvolle Bücher und bevorzugen Sie lustige Filme. Gewöhnen Sie sich an, möglichst viel zu lächeln und zu lachen – auch wenn Sie alleine sind. Lächeln hebt die Stimmung! Um sich ans Lächeln zu erinnern, können Sie sich „Smileys“ malen. Bringen Sie diese überall dort in Ihrer Wohnung und auch in der Kita an, wohin Ihr Blick regelmäßig fällt: An den Badezimmerspiegel, den Kühlschrank, die Eingangstür, ans Radio oder Telefon. Verpflichten Sie sich gleichzeitig vor sich selbst, jedes Mal, wenn Sie ein Smiley sehen, zu lächeln. So wie jetzt:J!

Lassen Sie Ihre Kreativität frei

Kreativ sein macht Spaß und stärkt das Selbstbewusstsein. Finden Sie Zugang zu Ihrer Kreativität, indem Sie malen oder ein raffiniertes neues Kuchenrezept ausprobieren. Schreiben Sie ein Liebesgedicht oder einen Krimi. Kaufen Sie sich zur Abwechslung ein Buch oder eine Zeitschrift über ein Wissensgebiet, das Ihnen völlig fremd ist. Lernen Sie irgendetwas NEUES Yoga, ein Musikinstrument, Jonglieren, Tango tanzen, Zaubern, Kalligraphie oder was Ihnen Spaß machen könnte. Bestimmt entdecken Sie völlig neue Talente an sich und treffen beim Lernen mit interessanten Menschen zusammen, denen Sie sonst nie begegnet wären.

Burnout bei Erzieher*innen

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Petra kommt heim, fällt auf die Couch und macht den Fernseher an – mehr schafft sie nicht mehr und so geht das jeden Nachmittag. Petra ist Erzieherin.

Erzieher*innen haben mit überdurchschnittlich hohen körperlichen und seelischen Belastungen zu kämpfen. Einer Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zufolge weisen etwa 10% der Erzieher*innen Burnout-Symptome auf. 77% fühlen sich durch zu große Kindergruppen stark belastet und über 50 % leiden zudem unter Lärm in der Kita. Die Studie nennt weiterhin Probleme mit Kindern, Zeitdruck, die Vielfalt der Aufgaben, Personalmangel und fehlende Pausenmöglichkeiten als Belastungsfaktoren. Diese Überlastung ist mit körperlichen und seelischen Stressanzeichen verbunden. Typisch sind z. B. die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und psychosomatische Beschwerden. 

Erziehen als Beruf wird meist von Menschen gewählt, die sehr begeisterungsfähig sind und ein hohes Maß an Idealismus haben. Diese Menschen stellen sehr hohe Ansprüche an sich selbst und neigen dazu, Probleme anderer auf ihre eigenen Schultern zu laden. Besonders engagierte Menschen erleben oft einen Alltag, der ihren hohen Idealen nicht entspricht. Sie müssen erkennen, dass z. B. häufig Konflikte mit Eltern vorkommen und viele dieser Konflikte nicht gelöst werden können. Wenn dann keine wirksamen Bewältigungsmechanismen entwickelt wurden oder werden, besteht die Gefahr, dass an die Stelle von Idealismus Unzufriedenheit, Überdruss und Erschöpfung treten.

Bedingt durch Personalmangel und die dadurch hohe Anzahl der Kinder, kommen Erzieher*innen mit einzelnen Kindern viel zu selten oder gar nicht mehr in Kontakt. Dadurch gibt es kaum Möglichkeiten, sich auch mit positiven und unproblematischen Seiten im Leben der Kinder auseinanderzusetzen. 

ABER: All das ist keine ausreichende Erklärung für Burnout, denn die Ursachen sind auch immer in der eigenen Persönlichkeit und im Umgang mit sich selbst und dem eigenen Leben begründet.

Persönlichkeitstypen, die besonders Burnout gefährdet sind:

  • Die Hingebungsvollen, die sich immer wieder und viel zu oft zu viel Arbeit aufbürden.
  • Die Überengagierten die private Unzufriedenheit mit Perfektionismus im Beruf ausgleichen wollen.
  • Die Autoritären, die sich auf Gehorsamsbereitschaft verlassen, um andere unter Kontrolle zu behalten.
  • Die Mitfühlenden, die sich zu stark mit den Nöten und Problemen anderer Menschen identifizieren.

Besondere Belastungen durch die eigene Sichtweise

In allen helfenden Berufen arbeiten Menschen über unterschiedlich lange Zeitspannen in emotional belastenden Situationen mit anderen Menschen. In der Kita sind die Fachkräfte allen physischen, sozialen und psychischen Problemen der Kinder und ihrer Familien ausgesetzt. Man erwartet von ihnen sowohl Fachkenntnis, als auch persönliches Interesse am jeweiligen Kind und seinen Lebensumständen. Erzieher*innen müssen sich im Kontakt mit ihren „Kunden“ emotional beteiligen und häufig entstehen Situationen, in denen es weit über fachliche Kenntnisse hinaus auf das persönliche Engagement ankommt. 

In einem die ganze Persönlichkeit fordernden Beruf haben die meisten Menschen Schwierigkeiten sich abzugrenzen. Die Probleme, die der Arbeitstag mit sich bringt, wirken oft am Feierabend und in der Freizeit nach. Um die eigene emotionale Beanspruchung zu verringern, können Erzieherinnen dazu neigen, Kindern gegenüber abweisend zu sein, oder sie entwickeln den Wunsch, sich möglichst wenig mit Eltern zu beschäftigen. Wird dieser große emotionale Stress nicht bewusst wahrgenommen, führt er zumeist direkt in ein Ausbrennen.

Als Gründe für die Berufswahl von Erzieher*innen werden von diesen hauptsächlich angegeben, dass sie im Leben viel Wert auf den Kontakt mit Kindern legen und deshalb auch mit ihnen arbeiten wollen. Es sind Menschen, die bereitwillig Verständnis, Trost, Hilfe und Zuwendung geben. Dabei haben sie häufig hohe Ansprüche an sich selbst und neigen dazu, Probleme anderer auf sich zu nehmen. Erzieher*innen haben meist ein gutes Einfühlungsvermögen für die Nöte und Probleme anderer Menschen. Diese Persönlichkeitseigenschaft intensiviert aber nicht nur das Mitgefühl, sondern auch das Mitleiden in schwierigen Situationen. Dieses intensive Mitleiden hilft niemandem - weder dem Kind, noch dessen Eltern. Im Gegenteil, es stellt für die Fachkraft eine andauernde Belastung dar, die zum Ausbrennen führen kann und genau deshalb ist es enorm wichtig, dass Erzieher*innen sich auf den Weg machen und lernen, sich um sich selbst zu kümmern.

Durch die unterschiedlichen und widersprüchlichen Gruppen und Erwartungen, denen sich Erzieher*innen in ihrem Beruf aussetzen - sie sollen Eltern, Kindern, Träger und der Öffentlichkeit gerecht werden, nehmen sie jeweils unterschiedliche Rollen ein. Man kann sich vorstellen, dass es sehr schwierig - ja unmöglich ist, all diese Rollen und Erwartungen zu erfüllen. Damit sind Rollenkonflikte Normalität, lösen Stress und Angst aus und können dadurch ein Burnout mitverursachen.

Umso wichtiger ist es, dass Persönlichkeitsentwicklung, Verantwortungsübernahme für das eigene Leben, die Fähigkeit sich abzugrenzen und mit sich selbst liebevoll umzugehen zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten von Erzieher*innen gehören sollten, nur leider, leider, leider wird Selbstführung sowohl in den Ausbildungen, als auch in Weiterbildungen noch viel zu selten angeboten und angenommen.

Planlos durch die Bildungsplanlandschaft

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"Die Autorität des Lehrers schadet oft denen, die lernen wollen." (Cicero)

Gerade habe ich Urlaubsfotos vom letzten Urlaub an der Nordsee angeschaut –  es waren unvergessliche Wochen und ich habe dort einiges lernen dürfen. Im hohen Norden gibt es den schönen Spruch "Jetzt gibt es Butter bei die Fische", was so viel bedeutet wie: Jetzt wird Klartext geredet, jetzt kommen wir zum Punkt – es geht also um das Wesentliche, wenn die Butter zum Fisch kommt. 

Während ich so über diesen Spruch nachdenke, merke ich, dass ich wütend werde, wütend über das, was noch immer in viel zu vielen Kitas jeden Tag passiert: Kinder werden durch Beschäftigungsdschungel gehetzt, sie haben viel zu wenig Zeit zum Spielen. Kinder werden eingetaktet, müssen an unterschiedlichsten Angeboten teilnehmen, sie müssen funktionieren, werden gestresst und unter Druck gesetzt. Kinder werden beschämt, sie werden frustriert und nicht selten werden sie angeschrien und hart angefasst.

In vielen Einrichtungen werden Kinder und ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen. Kinderrechte werden mit Füßen getreten, Bildungspläne sind noch immer nicht verstanden und Pädagog*innen verlaufen sich – trotz Plan und im Plan.

Nun gibt es die meisten Bildungspläne schon seit über 10 Jahren und noch immer wird überwiegend nach einem "Stundenplan" gearbeitet, den die Pädagog*innen festlegen und bei dem die Interessen und Bedürfnisse der Kinder viel zu oft auf der Strecke bleiben. Es werden vorgefertigte Programme durch gestresste Pädagog*innen abgespult.

Das ist falsch. Es widerspricht einfach all dem, was man heutzutage über Kinder, Entwicklung und Lernen weiß – dadurch widerspricht ein solcher Alltag zudem der Philosophie sämtlicher Bildungspläne aller Bundesländer!

Ein Beispiel: Nachdem der alltägliche Langeweilemorgenkreis erledigt ist (in dem die Kinder permanent ermahnt wurden leise zu sein und sitzen zu bleiben) – sollen Kinder von 9.30-9.45 Uhr Silben klatschen, von 10.00-10.45 Uhr folgt eine Bewegungseinheit, die natürlich gut vorbereitet ist und angeleitet wird, anschließend singen sich Kinder von 11.30-12.00 Uhr durch diverse Zahlenländer und gleich nach dem Mittagessen, nachdem schnell halbherzig Zähne geputzt wurden, müssen, wenn alle durchgewickelt sind und auf dem Klo waren, die Kleinen schlafen und die Großen irgendwie leise sein und schlecht kopierte Mandalavorlagen ausmalen, bevor sie am Nachmittag, nach dem Obstsnack, noch an einem Kreativangebot teilnehmen, eine Stunde in den Garten dürfen und den Tag anschließend mit Übungen zur gewaltfreien Kommunikation ausklingen lassen - uffff....

Diese kurze Beschreibung ist noch die harmlose Variante – es gibt leider unzählige Kitas in denen, zu all dem Übel, noch ein sehr harter und liebloser Ton herrscht, es gibt unzählige und sündteure (Privat-) Kitas in denen es stündlich neue und vollkommen abstruse Angebote gibt, die auf Eltern zwar sehr beeindruckend wirken, den Kindern aber nicht gerecht werden, weil es eben keine Angebote sind, sondern Pflichtveranstaltungen, die kein Kind wirklich braucht!

Nun kommt die Butter zum Fisch: Das wichtigste in den Bildungsplänen steht ganz am Anfang - noch weit bevor Basiskompetenzen und Bildungsbereiche beschrieben sind - es ist das Bild vom Kind, das all den Plänen zugrunde liegt. Solange das nicht verstanden und assimiliert ist, wird man Kindern nicht gerecht.

Und nun entscheiden Sie, ob Sie zum Thema Umsetzung Ihres Bildungsplanfisches Butter haben wollen - falls ja, können Ihnen folgende Fragen dabei helfen:

- Kennen Sie die Interessen und Talente jedes Kindes in Ihrer Einrichtung?

- Fühlt sich jedes Kind in Ihrer Einrichtung wohl und angenommen – genau so wie es ist?

- Haben alle Kinder täglich und sehr viel Zeit (mind. 4 Stunden) um frei zu spielen – mit wem sie wollen, wo sie wollen und was sie wollen?

- Wo und wann findet in Ihrer Einrichtung selbstgesteuertes Lernen statt?

- Leben Sie WIRKLICH Partizipation – im Team und mit den Kindern?

Zum Wohle der Kinder wünsche Ihnen Mut sich und anderen immer wieder Fragen zu stellen!

Seifenblasenglück

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Glück ist ein Entschluß.

(René Descartes)

Ich bin davon überzeugt, dass man sich entscheiden kann glücklich zu sein. Ich glaube sogar, das ist stabiles Glück – im Sinne von Zufriedenheit und kein Seifenblasenglück. Diese wunderbar schillernden Wabbelblasen sind für den Augenblick gedacht und gemacht, wie auch Silvesterziele, die meist nur einen Tag lang anhalten – danach ist man dann ein bisschen unglücklich, weil man wieder versagt hat. Man könnte natürlich auch daraus lernen und sich keine Silvesterziele mehr setzen... man könnte sich aber auch einfach entscheiden ein glücklicher Mensch zu sein.

Was auch immer geschieht – es liegt nur an unserer Einstellung, Glück oder Unglück darin zu sehen. Diese kleine Geschichte von Anthony de Mello zeigt das so schön.

Ein Wanderer trifft einen Schäfer und fragt ihn:
“Sie können mir sicher sagen, wie heute das Wetter wird?”
Der Schäfer überzeugt:
“Genau so, wie ich es gerne habe.”
Der Wanderer etwas verdutzt:
“Woher wissen Sie, dass es genau so sein wird?”
“Mein Freund, meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich nicht immer das bekomme, was ich mir wünsche. Deshalb habe ich gelernt, stets das zu mögen, was ich bekomme. Und so bin ich mir sicher, das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag.”
 

    Ich sehe was, was du nicht siehst!

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    Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.

    (Maria Montessori)

     

    Beobachten ist kein Luxus. Beobachtungen sind die Arbeitsgrundlage für Pädagog*innen im Hinblick auf Begleitung und Unterstützung kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse.

    Was heißt das? Es bedeutet, (auffälliges, wie auch unauffälliges) Verhalten, Entwicklung, (Selbst-) Bildungsprozesse, Lernbereitschaft, Wohlbefinden und nicht zuletzt soziale Bezüge zu anderen Kindern und zu Bezugspersonen zu sehen, wahrzunehmen, zu beschreiben und Handlungskonzepte daraus abzuleiten.

    Demnach hängt pädagogische Qualität von professioneller Beobachtung ab und in diese schleichen sich oft und gerne Fehlerteufel ein, denn die Hinwendung zum Kind und das Bemühen zu verstehen wird durch eigene innere Brillen verzerrt. Des kleinen Prinzen poetische Idee: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“ (St. Exupéry, 1956, S. 72) sollte für PädagogInnen so nicht gelten.

    Beispiel Marlon (5,3):

    Eine Erzieherin beobachtet Marlon, der seit drei Jahren die Kita besucht und als typisches „ADHS-Problemkind“ eingestuft ist. Sie sieht, dass er immer wieder andere beim Spielen stört, indem er umherrennt und dabei deren Bauwerke zerstört - sie dokumentiert diese Beobachtung sehr sorgfältig und Marlon hat einen „neuen Eintrag“ in seiner Akte, die u. a. Grundlage für das Entwicklungsgespräch vor Schulbeginn ist.

    Marlon hat tatsächlich mehrfach Bauwerke anderer Kinder zerstört, weil er dagegen gerannt ist, doch hat er stets geholfen die Werke wieder aufzubauen und hat sich zudem bei den anderen Kindern entschuldigt. Nachdem er umhergerannt ist, baut Marlon über 20 Minuten lang mit den kleinen Legosteinen ein Schiff mit vielen Details.

    So könnte dieselbe Situation sich darstellen, wenn Marlon nicht als „Problemkind“ eingestuft wäre, doch leider wurden weder Marlons prosoziales Verhalten, noch seine Konzentrationsfähigkeit wahrgenommen und beobachtet - ein klassischer Beobachtungsfehler mit weitreichenden Folgen!

    Wertungsfreie und neutrale Beobachtung

    Impuls: Betrachten Sie im Team ein Foto von ein paar Kindern und notieren Sie das, was Sie sehen. Tauschen Sie sich anschließend aus. Wie viele unterschiedliche Beschreibungen sind entstanden?

    Um neutralere und wertungsfreiere Beobachtungen zu gewährleisten, kann man sich selbst und im Team Fragen stellen wie:

    • Warum fällt gerade mir auf, dass Sophie immer den ängstlichen Tom ärgert?
    • Was löst Saschas Schüchternheit bei mir aus?
    • Wieso ärgert es mich, dass Leandra sich nur mit Jungs versteht?
    • Warum bedeutet es mir soviel, dass Micha mir aufmerksam zuhört?
    • Wer ist mir heute positiv aufgefallen und warum?
    • Wie kann ich mich mit meiner eigenen Biographie auseinandersetzen?
    • Weshalb fallen meinen Kolleginnen andere Kinder auf als mir selbst?

    Fehlerquellen lassen sich nicht ausschließen und Übung macht auch bei Beobachtungen den Meister!

    Beobachtungen als Grundlage zur Gesprächsführung mit Kindern

    Jedes Kind will gesehen werden und Kinder spüren die besondere Zuwendung wenn sie „wichtig genug sind“, dass Erwachsene sie beobachten, sich Notizen über sie machen und das Beobachtete „sogar“ mit ihnen besprechen wollen. Kinder freuen sich über Interesse an ihrem Sein und Tun, ganz besonders, wenn es nicht um Kontrolle und Prüfung, sondern um Verstehen geht.

    Sind Beobachtungen die Grundlage für Gespräche, ist es von besonderer Bedeutung die detaillierte Sichtweise des Kindes zu erfahren indem man Raum und Zeit dafür schafft sich in einer wertschätzenden und ungestörten Atmosphäre auszutauschen. Man kann mit Kindern Handlungen, Verhalten und alternative Handlungen und Verhaltensweisen erörtern und darf sich überraschen lassen, wie gut Kinder selbst wissen, was sie brauchen, was sie tun oder nicht können und welche Ideen sie für sich zu entwickeln bereit sind.

    Mit einem Gespräch über das Verhalten eines Kindes dringt man tief in seine Intimsphäre ein und es ist angemessen, das Kind zunächst auf das Gespräch einzustimmen, denn wer auch immer ein Gespräch beginnt, hat eine Absicht und damit einen Vorsprung gegenüber seinem Gesprächspartner. Dazu kommt, Kinder haben eigene Sichtweisen und Gespräche mit Kindern eigene Merkmale und Motivationen (Delfos, 2010). Erwachsene sollten darauf achten, den Geschichten und Erklärungen von Kindern aufmerksam zu folgen, aktiv zuzuhören und sensibel mit deren Gesprächsmotivationen umgehen.

    Beispiel Marlon:

    Mit Marlon hätte die Pädagogin z. B. ein Gespräch beginnen können, als er das Schiff fertig gebaut hatte. Sie hätte ihn in der Legoecke besuchen können und eine Frage stellen können, wie: „Darf ich mich kurz zu dir setzen, ich würde gerne mit dir sprechen?“ Sie hätte, eine Einwilligung von Marlon vorausgesetzt, zunächst mit freundlichen Worten das gelungene Schiff mit den vielen Fenstern und dem Swimmingpool auf dem Oberdeck wertschätzen können, das sicher sehr viel Arbeit gemacht hat und man sehr gute Schiffsbaukenntnisse für so viele Details braucht. Sie hätte sich das Schiff erklären lassen können und es als Abschlussfotografieren können!

    Anschließend, ganz im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach Rosenberg hätte sie ihre andere Beobachtung ebenso lächelnd freundlich und formulieren können: „Marlon, ich möchte dir noch etwas sagen, kannst du mir noch zuhören? (…) Wie schön, das freut mich, denn du bist mir wichtig. Ich habe heute Morgen beobachtet, dass du hier im Zimmer gerannt bist und einige Male ist dabei der Turm umgefallen, weil du dagegen gerannt bist. Ich habe Angst, dass du gegen etwas anderes rennst und dich, beim Rennen, hier im Raum verletzt. Ich schlage vor, dass du in den Flur oder in den Garten gehst wenn du rennen willst. Wie findest du das oder hast du vielleicht eine andere Idee?

    Literatur zum Weiterlesen

    Delphos, M. F. (2010): >>Sag mir mal… <<. Gesprächsführung mitKindern (4-12 Jahre). Weinheim, Basel. Beltz.

    Mienert, M. (2012): Unveröffentlichte Power-Point-Präsentation.

    St.-Exupérie, A. (1956): Der kleine Prinz. Düsseldorf. Karl Rauch Verlag.

    Starke Kinder sind anders

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    Je kleiner der Geist, um so mehr verachtet er jene, die anders sind als er.   

    C. P. Fröhling

     

    Begriffe wie „auffälliges Verhalten“ und „Entwicklungsstörungen“ sind hochemotional besetzt und beschreiben Sachverhalte, die frühpädagogisches Arbeiten sowohl belasten als auch häufig kontrovers diskutiert werden. Beide Begriffe setzen „normales Verhalten" als Bezugspunkt voraus, also eine Norm, die oft identisch ist mit gesellschaftlichen Strömungen und Erwartungen. 

    Das bedeutet: Eine Störung ist keine Störung, wenn niemand sich gestört fühlt und eine Auffälligkeit muss jemandem auffallen. Ein sehr selbstbewusstes, quirliges, lustiges, kreatives und lebhaftes Kind ist, wenn es Pech hat und durch wenig wohlwollende Augen betrachtet wird, auch schnell mal ein "ADHS-Kind". 

    Auffälligkeiten und Störungen liegen oft im Auge des Betrachters. Fachkräfte wissen: Ohne eine genaue Beobachtung ist individuelle Pädagogik nicht machbar. Beobachtungen wiederum sind Beobachtungsfehlern unterworfen und müssen zwingend durch professionellen Austausch mit Kolleg*innen, Eltern, Fachdiensten objektiviert werden. Standardisierte Beobachtungen alleibe genügen nicht, sie sind notwendig, aber hinreichend sind sie nicht. Um einem Kind wirklich gerecht zu werden muss zwingend die gesamte Lebenswelt eines Kindes in die Beobachtungen miteinbezogen werden. Ohne die Berücksichtigung des kompletten Lebens und der bisherigen Entwicklung des Kindes und seiner Familie sind Diagnosen, besonders pfeilschnell getroffene Modediagnosen unverantwortlich und schaden dem Kind langfristig.

    Verhaltensauffälligkeiten haben immer verschiedene Ursachen und es sind viele Faktoren an der Entstehung von "Störungen" beteiligt. Organische Faktoren, ungelöste Konflikte, Bedrohungen und Belastungen können eine gesunde Entwicklung gefährden. Hinzu kommen Einflüsse der Familie, der Kita, der Medien und nicht zuletzt die Persönlichkeit des Kindes. Störungen des Verhaltens sollten immer als Signal, als Nachricht und als Lösungsversuch des Kindes betrachtet werden, bei dem unbedingt das Verhalten aller Interaktionspartner mit einbezogen werden muss. 

    Beispiel: Isst ein Kind in der Kita nichts, zuhause isst das Kind aber „normal“, dann wäre es klug die Interaktionen, Angebote usw. in der Kita näher zu beleuchten, das Kind zeigt mit seinem Verhalten sehr klar, dass irgendetwas in der Kita nicht passt und es sich nicht wohlfühlt. Die Essensverweigerung bedeutet in den meisten Fälle, das Kind möchte nicht (noch) mehr von dem "was nicht passt" in sich aufnehmen und verweigert durch die Nahrungsverweigerung. 

    Entwicklung ist störanfällig und von Risiken begleitet, so können Problemschwangerschaften, Geburtstraumata, Schlafmangel, mangelhafte Ernährung, Unter- oder Überforderung, Reizüberflutung, fehlende soziale Orientierung, ungünstiges Erziehungsverhalten, Unter- oder Überforderung, Reizarmut, Reizüberflutung, Überfürsorge, Leistungsüberforderung, fehlende soziale Orientierung, unstetes Erziehungsverhalten, chronische Konflikte der Eltern, Misshandlungen, Beschämungen durch PädagogInnen das Verhalten von Kindern modifizieren und eine gesunde Entwicklung verhindern. 

    Beispiele: Ein vierjähriges Kind, das kein Dreirad zur Verfügung hat, kann auch nicht Dreirad fahren lernen; Ein Kind mit dem niemand Regelspiele spielt, lernt die Einhaltung von Spielregeln nicht usw. - logisch, nicht?

    Haben Kinder in ihren Lebensumwelten keine Gelegenheiten, unpassende Angebote, unzureichende Materialen und fühlen sie sich nicht geliebt, nicht wertgeschätzt und nicht wohl - kurz: Leben Kinder in ungeeigneten Lernumgebungen, dann können sie sich nicht gemäß ihrem angelegten Potential entwickeln und entfalten. Je ungünstiger die Lernumgebung ist, desto wahrscheinlicher werden Verhaltensauffälligkeiten und desto gefährdeter ist die Entwicklung von Kindern.

    Will man also in der Kita eine entwicklungsfördernde Lernumgebung gestalten, ist es unabdingbar, dass Partizipation als durchgängiges Prinzip gelebt wird. Das bedeutet: Kinder und Eltern sind willkommen und entwickeln gemeinsam mit den Fachkräften ein gelingendes und "ganz normales" Zusammenleben.

    Heute wieder nur gespielt?

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    Ein Mensch, der unfähig ist zu spielen, dessen Seele hat bereits Schaden genommen.

    unbekannt

     

    Stellen Sie sich eine Welt vor in der keine Musik gespielt wird und niemand Bilder malt. In dieser Welt gibt es keinen Sport, keine Bücher, keine Regeln, kein Theater, keine Filme, keine Fotos, kein Parfüm, keine lustigen Getränke mit Männernamen wie z. B. „Hugo“. Niemand tanzt, baut Häuser oder konstruiert Autos, erfindet Einwegwindeln, Rutschbahnen und Dosenöffner. Würden Sie gerne in dieser Welt leben? 

    Nun, es ist so: Die Grundlage unserer individuellen, sozialen, kulturellen und technischen Entwicklungen und Errungenschaften ist - man glaubt es kaum - das Spielen. Das ist kein Scherz! Alles was wir sind und haben, verdanken wir unserer Entwicklung und die beste Entwicklungsförderung ist Spielen und das in allen Varianten. Im Tierversuch (es waren mal wieder Ratten) konnte sogar nachgewiesen werden, dass die Unterdrückung des Spielens zum Tod führt! Dazu hat man jede Menge Ratten eingeschüchtert und die Ratten, die vorher nie spielen durften sind jämmerlich verhungert, weil sie sich nicht mehr aus ihrem Versteck gewagt haben; während die Spielratten experimentierfreudiger waren und den Mut aufbrachten, aus dem Versteck hinaus, hin zum Futter zu trippeln und zu fressen.

    Auch wenn es ein paar winzige Unterschiede zwischen Ratten und Menschen gibt, kann man aus solchen Versuchen u. a. schlussfolgern, dass Spielen während der Kindheit durch nichts zu ersetzen und für die gesunde Entwicklung auch bei Menschenkindern extrem wichtig ist! Und genau da haben wir ein Problem, denn uns alle bedroht nicht nur der Klimawandel und der IS sondern auch die Entspielung der Kindheit. Die Zeit der Kinder ist zunehmend verplant und durchorganisiert. Man findet immer weniger Kinder, die einfach nur so mit anderen Kindern spielen – ohne Erwachsene – ohne Förderhintergrund – mit gutem Spielzeug!

    Gründe für diese Fehlentwicklung sind in meinen Augen falsch verstandene Bildungspläne, zu wenig Wissen über Gehirnentwicklung und Bindungstheorien und nicht zuletzt die Angst (vieler Eltern) vor dem Bildungspanikdrachen. 

    Viel zu wenig Zeit für Freispiel wird Kindern in Krippen, Kitas und Grundschulen zugestanden, denn schon die Jüngsten werden „eingetaktet“ und das freie Spiel wird zu oft ersetzt durch angeleitete Bildungsangeboteund Förderprogramme. Freies Spiel ist oft nur als Pausenfüller zu finden und auch da ist das Spiel nur selten wirklich frei! Meine Beobachtung ist, dass „Lernspiele“ dominieren und insgeheim glaube ich, das Lieblingsfutter des Bildungspanikdrachens ist Freispielzeit. 

    Vielleicht überrascht es Sie, aber Kinder spielen nicht um etwas zu lernen, sie spielen nicht um sich zu erholen, zu entspannen und sie spielen nicht einmal um etwas zu üben. Das Spiel, und da sind sich Psychologen, Pädagogen und Philosophen ziemlich einig, hat einen viel tieferen Sinn. Spiel hat die Aufgabe das Leben zu bewältigen und zwar in einer Zeit - der Kindheit - in der andere Möglichkeiten und Techniken noch nicht vorhanden bzw. ausgebildet sind. Was passiert, wenn Kinder nicht ausreichend spielen, können Sie sich jetzt sicher vorstellen.

    Im Gespräch mit Eltern höre ich oft: „Mein Kind spielt nur – wie kann ich es fördern? Im Kindergarten spielen sie auch nur (das glaube ich übrigens nie!) und deshalb müssen wir unbedingt was unternehmen und Chantalle auf später vorbereiten.“ 

    Das freie Spielen ist für Kinder die wichtigste Tätigkeit überhaupt, es ist das Lebenselixier der Kindheit, es ist der Zaubertrank für gelingende seelische und körperliche Entwicklung.

    Wenn Kinder sich frei entscheiden können mit was, mit wem, wo und wie lange sie spielen, dann erhöht das die vielgepriesene „Selbstwirksamkeit“ und diese wiederum ist die Voraussetzung für ein gelingendes Leben mit viel Wohlbefinden. Zudem haben Kinder, die viel und mit anderen Kindern spielen nachweislich bessere soziale Beziehungen, sie können sich besser regulieren und haben mehr Freunde (laut Glücksforschung das Wichtigste überhaupt!). Wer mehr Freunde hat fühlt sich sicherer,und spielt deshalb freier, ist demnach klüger, kommt mit sich selbst besser klar, ist teamfähiger usw. Wer Freunde hat, hat Freude und Freude ist gut für die Seele usw. Sie sehen – es ist ein Engelskreis und ich bin mir ganz sicher – mehr zweckfreie Spielzeit würde so manchem Kind weniger Therapiezeit bringen. Es gibt momentan zu viele Kinder die „nicht mitspielen dürfen“, sei es, weil die Eltern nur das Lernen fördern, die Verantwortlichen in den Bildungseinrichtungen zu wenig Spielen zulassen oder die Kinder nie gelernt haben, wie man (mit anderen) spielt – ja, das gibt es tatsächlich!

    Stuart Brown, einer der wichtigsten Köpfe der internationalen Spielforschung ist der Ansicht, dass nichts das Gehirn so sehr erhellt wie das Spielen. Wenn Kinder in ihrer Kindheit mehr und vor allem mehr frei spielen dürfen, werden sie zu aktiveren, erfolgreicheren und glücklicheren Erwachsenen, denn sie haben durch Spielen, Raufen, Schreien, Herumtoben etc. gelernt sich emotional zu regulieren, eigene Ideen zu verfolgen, mit anderen zurechtzukommen, Regeln einzuhalten und das ist der Garant für Konzentration, Selbststeuerung und gelingendes Lernen. Ich bin der Ansicht, man sollte das zweckfreie Spielen nicht dem Lernen und zielgerichtete Lernförderspiele nicht dem Spielen opfern!

    Spielen hat seine eigene Rechtfertigung wie Schlafen und Träumen. Spielen ist die Basis für die gesamte Entwicklung, die Gehirnausbildung und nicht zuletzt für das ebenfalls enorm wichtige Lernen. Spielen erhält und macht Kinder gesund, weil Bewältigungserfahrungen nachweislich auch den Körper stärken. 

    Wenn Sie also Kinder entwicklungsangemessen fördern möchten, dann lassen Sie sie nicht nur so zwischendurch mal spielen, sondern lassen Sie sie alles andere so zwischendurch tun, denn Lernen ohne Spielen ist zwar möglich – Spielen ohne Lernen garantiert nicht.

    Kinder lieben Lernen

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    "Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern"

    – Henry Ford

     

    Bildung ist heute mehr denn je der Schlüssel zum Erfolg. Aber was sind eigentlich gebildete Kinder? Wunderkinder mit Einser-Schnitt? Und wie wird ein Kind gebildet? Durch fleißiges Lernen? 

    Heerscharen von Pädagogen erforschen, was erfolgreiche Menschen anders machen als weniger erfolgreiche. Ein Ergebnis: Reines Pauken ist es schon mal nicht, das haben Wissenschaftler der Universität Pennsylvania herausgefunden. In einem Langzeitprojekt hat das Forscherteam um den Psychologen Martin Seligmann eine Reihe von Studien zum Erfolg von Lernprogrammen aus den vergangenen 20 Jahren mit Daten von mehr als 2000 Kindern ausgewertet. Ihre Erkenntnis: Wichtiger als das Einpauken des Lernstoffs, ist die innere Haltung. Kinder, die positiv denken und selbstsicher an neue Aufgaben herangehen, lernen besser als andere. Denn sie können ihre Stärken und Fähigkeiten besser einschätzen. Das hilft ihnen, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren, Probleme realistisch zu sehen und gelassener mit Stress umzugehen.

    Doch nicht nur die innere Einstellung, auch die Fähigkeit sich zu konzentrieren ist ein wichtiger Faktor für erfolgreiches Lernen. Aufmerksamkeit und Konzentration stellen entscheidendes Kapital für das Gelingen dar und werden im Verlaufe der normalen Entwicklung eines Kindes, wenn es in Ruhe spielen darf und keiner übermäßigen Reizüberflutung ausgesetzt ist, ganz von selbst trainiert. Diese Erkenntnis bestätigt der Mediziner Joshua Breslau von der Universität Kalifornien. Er und sein Team haben in einer Langzeitstudie Daten aus Beobachtungen von Erziehungsstilen und Lernstandserhebungen von über 700 Kindern von der Kindergartenzeit bis zum 17. Lebensjahr ausgewertet. Das Ergebnis: Kinder, die bereits in frühem Alter Aufmerksamkeitsschwächen zeigten, wurden diese während ihrer gesamten Schullaufbahn nicht mehr los – entsprechend schlecht fielen ihre schulischen Leistungen aus. Guten Schülern dagegen fiel es leicht, sich zu fokussieren und ihre Gedanken zu ordnen. PädagogInnen, so die US-Forscher, sollten daher frühe Anzeichen für Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen unbedingt ernst nehmen und der Ursache auf den Grund gehen: 

    • Langweilt sich das Kind in der Kita? 
    • Wie ist die Situation zu Hause, gibt es genügend Freiräume, um sich in Ruhe mit einer Sache zu beschäftigen? 
    • Wird gelesen und genug gespielt? Oder stehen Computer- und TV-Konsum im Vordergrund? 

    Das Wichtigste für „erfolgreiche Kinder“ ist: Sie sind neugierig und haben Freude am Ausprobieren, Erforschen und damit am Lernen. Sie lernen nicht, weil sie müssen, sondern, weil sie wollen. Sie schöpfen ihre Potenziale aus und bringen sie zur Entfaltung und wenn sie auf ihren Interessensgebieten begeistert lernen, strahlt das auch auf Bereiche aus, die sie weniger mögen. 

    Mit Intelligenz, Begabung und Bulimielernen allein ist es also nicht getan, denn Motivation und Einstellungen spielen eine äußerst wichtigere Rolle. Versagensangst und Desinteresse etwa können das Lernen behindern, während Zähigkeit, Leidenschaft und eine positive Haltung zu den eigenen Fähigkeiten extrem lernförderlich sind. 

    So vermitteln gute PädagogInnen Kindern Selbstbewusstsein und eine positive Lebenseinstellung: 

    • Nehmen Sie Kinder ernst 
    • Interessieren Sie sich für ihre Wünsche, Träume und Sorgen 
    • Zeigen Sie ihnen, dass Sie an sie glauben und dass sie wertvolle Menschen sind, unabhängig von jeglicher Leistung 
    • Unterstützen Sie die Interessen der Kinder 
    • Fördern Sie selbstentdeckendes Lernen und ermutigen Sie Kinder, Neues auszuprobieren

    Kinder brauchen viele Freiräume, um sich selbst auszuprobieren. Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, eigenständig zu arbeiten. Es genügt, wenn Sie Unterstützung anbieten – aufdrängen müssen Sie sie nicht. Eingreifen ist nur dann nötig, wenn Konzentrationsstörungen oder andere Probleme auftreten.

    Die 3 besten Tipps für entspanntere Kinder

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    Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.

    (Oscar Wilde)

     

    In meinen Fortbildungen berichten PädagogInnen immer wieder, dass sie Kinder heute unruhiger, aggressiver und insgesamt auffälliger erleben als noch vor ein paar Jahren. Kinder selbst geben in Befragungen an, dass sie sich Sorgen machen, unglücklich sind und mit Ängsten zu kämpfen haben – häufig fehlt es Kindern auch an Selbstvertrauen – das ist Stress! 

    Stress äußert sich bei vielen Kindern durch Verhaltensauffälligkeiten und auch körperliche Symptome (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Infektanfälligkeit usw.) können auftreten.

    Stressauslöser für Kinder sind u. a.: 

    • zu wenig Ruhepausen
    • Bewegungsmangel
    • Hunger/Durst
    • Krankheiten/Schmerz
    • Schlafstörungen
    • Angst
    • Trauer/Verlust
    • Unterforderung/Überforderung 
    • Zeitmangel 
    • Konflikte

    Nicht jedes Kind reagiert auf Stress gleich: Während das eine Kind unter Belastung aggressiv wird, zieht sich das andere sich zurück – auch Leid ist ganz individuell.

    Was können Sie für gestresste Kinder tun? Wie können Sie mit gestressten Kindern umgehen und den Kita-Alltag so gestalten, dass sie gute Entwicklungsmöglichkeit haben?

    Aus der Stressforschung sind drei große Bereiche bekannt – ich nenne sie gerne die drei "Anti-Stress-S" – die Menschen entwder Stabilität geben oder sie, bei Nichtvorhandensein, anfälliger für Stress machen:

    1. Selbstbestimmung (Autonomie)

    Kinder, die sich selbst Ziele setzen (dürfen), sind wesentlich zufriedener und psychisch stabiler, als diejenigen, die sich fremdbestimmt fühlen. Bei Kindern ist besonders die Möglichkeit ungestört zu spielen von großer Bedeutung. Bitte geben Sie den Kindern genügend Zeit für Freispiel und kündigen Sie notwendige Unterbrechungen rechtzeitig an, damit die Kinder ihr Spiel zu Ende bringen können.

    2. Sicherheit (Sinn)

    Stabile, verlässliche Beziehungen sind das Grundfundament und der stärkste Schutz gegen jeglichen Stress. Hierzu gehören das sichtbare Eingebundensein in eine Gemeinschaft (z. B. Fotos der Kinder in der Kita), gute Beziehungen zu anderen Kindern und liebevolle, verlässliche PädagogInnen. Für Sicherheit sorgen auch Rituale wie eine freundliche Begrüßung am Morgen – all das schafft den Rahmen, in dem sich Kinder sicher bewegen können. Daneben geben Glaubens- und Werteüberzeugungen Halt und Orientierung.

    3. Selbstwirksamkeit (Kompetenzerleben)

    Wer sich selbst als fähig erlebt, kann auch positiv und kompetent mit Veränderungen oder schwierigen Anforderungen umgehen. Gebraucht werden und Wertschätzung erleben setzen ungeahnte Kräfte frei. Bitte achten Sie darauf, dass Kinder immer wieder positive Erfahrungen machen können, bieten Sie ihnen Möglichkeiten an, ihre (unterschiedlichen!) Fähigkeiten zu entdecken und zeigen Sie Ihre Anerkennung durch individuelles und gezieltes Lob. 

    Übrigens: Die drei "Anti-Stress-S" wirken auch bei Ihnen selbst ganz wunderbar... machen Sie doch mal wieder etwas, was Sie total gerne tun, holen Sie sich ein fettes Lob von einem wichtigen Menschen und überlegen Sie sich drei Dinge, die Sie richtig gut können – ich verspreche Ihnen, das wird ein schöner Tag!